Donnerstag, 1. September 2011

Falkengrund und Das Haus Anubis

Vor fast zwei Jahren sprach mich jemand, der Falkengrund kannte, auf die TV-Serie „Das Haus Anubis“ an, die damals im Kindersender Nickelodeon anlief und sich mittlerweile größter Beliebtheit erfreut. Die Serie habe ein sehr ähnliches Konzept – ich solle da unbedingt mal reinschauen.

Inzwischen habe ich mir die erste Staffel auf DVD zugelegt. Für alle, die es nicht wissen: „Das Haus Anubis“ ist eine Daily Soap für Kinder und Jugendliche, in der sich die Genres Liebe, Schule und Grusel treffen. Im Mittelpunkt steht ein düsteres Haus, ein Internat, eben das Haus Anubis. Dort wohnen acht Gymnasiasten, bekocht von der lieben, vollschlanken Köchin Rosie und überwacht von dem strengen und unheimlichen Verwalter Victor.

Die Serie stammt ursprünglich aus Belgien, wo sie im September 2006 unter dem Titel „Het Huis Anubis“ startete. Für den deutschsprachigen Raum wurde sie mit deutschen Darstellern in den Originalkulissen nachgedreht. Hierzulande läuft sie seit September 2009. Die Medienpräsenz der Serie ist enorm – neben DVDs und Büchern sind auch Spiele, Zeitschriften, Hörspiele und viele Merchandising-Produkte erhältlich.

Es wird mir niemand verdenken: Für mich hat sich natürlich sofort die Frage gestellt, ob zwischen Falkengrund und „Das Haus Anubis“ eine Verbindung besteht, oder konkreter ausgedrückt, ob die Erfinder der Serie sich eventuell von meiner Serie inspirieren ließen. Möglich wäre es ja – schließlich startete Falkengrund erstmals im Januar 2005, rund zwanzig Monate, bevor „Het Huis Anubis“ in Belgien das Licht der Welt erblickte. „Het Huis Anubis“ dürfte während der Laufzeit von Falkengrund konzipiert worden sein …

Um es gleich klarzustellen: Es geht hier nicht um den Vorwurf des Plagiats! Selbst wenn einer der Macher von „Het Huis Anubis“ Falkengrund gekannt haben sollte, hat er die Serie keineswegs kopiert. „Das Haus Anubis“ hat eine vollkommen eigenständige Handlung, eigenständige Charaktere und eine andere Zielgruppe. Natürlich ist es immer möglich, dass zwei Menschen unabhängig voneinander ähnliche Ideen entwickeln. Außerdem war Falkengrund ja nur eine eBook-Serie, von der die allermeisten Menschen, zumal außerhalb Deutschlands, nie etwas gehört hatten.

Trotzdem – Falkengrund wurde zigtausendfach heruntergeladen und war auch auf Hunderttausenden von Shareware-CDs enthalten, könnte also durchaus die Aufmerksamkeit eines der deutschen Sprache mächtigen Belgiers erregt haben. Und: Es gibt eine Menge interessanter Parallelen zwischen den beiden Geschichten.

Sehen wir uns ein paar davon an (Achtung, Spoilergefahr!):

1. Falkengrund startet (nach einer Art Prequel, in dem es um Filmrollen geht) damit, dass ein neuer Student (Artur) per Taxi nach Falkengrund kommt. Artur ist ein netter, schüchterner Kerl, der sich in den ersten Tagen ungewollt unbeliebt macht, weil er zuerst mit einem Unfall, dann mit einem Mord in Verbindung gebracht wird. – „Das Haus Anubis“ startet damit, dass eine neue Schülerin (Nina) per Taxi zum Haus Anubis kommt. Nina ist ein nettes, schüchternes Mädchen. Sie macht sich ohne eigenes Verschulden unbeliebt, weil man sie mit dem Verschwinden einer anderen Schülerin in Verbindung bringt.

2. In der Falkengrund-Serie haben alte Filmrollen und die Einzelbilder davon eine wichtige Funktion. In „Das Haus Anubis“ tauchen immer wieder alte Tonrollen (was ist das?) mit geheimnisvollen Botschaften auf, außerdem stehen in den neueren Folgen eine altertümliche Kamera und die damit geschossenen Fotos im Fokus.

3. Auf Schloss Falkengrund gibt es mitten im Wohntrakt der Studenten am Ende des Flurs eine verschlossene Tür, hinter der der Geist des Barons von Adlerbrunn eingesperrt ist. Niemand darf sie öffnen. Im Haus Anubis gibt es mitten im Wohntrakt der Schüler am Ende des Flurs eine verschlossene Tür, die auf den Dachboden führt, wo es angeblich spuken soll. Niemand darf sie öffnen.

4. Auch der Keller ist in beiden Serien für die Schüler tabu. In Falkengrund hat dort Dr. Konzelmann sein Labor eingerichtet, im Haus Anubis unterhält der Verwalter Victor ebenfalls ein geheimes Labor im Keller.

5. Die Schule auf Falkengrund hat im Laufe der Serie mit handfesten finanziellen Problemen zu kämpfen, und auch das „Haus Anubis“ wird ab Episode 220 vom Gerichtsvollzieher besucht und schließlich sogar geräumt.

6. Falkengrunds Vize-Rektor Sir Darren Edgar ist streng, herrisch und in seinen Fünfzigern wie der Rektor der Schule, Hubert Altrichter, in „Das Haus Anubis“ und ähnelt diesem auch äußerlich. Die Kolleginnen Margarete Maus (Falkengrund) und Doris Engel (Das Haus Anubis, im belgischen Original „Ellie van Engelen“) sind in ihren Vierzigern.

Man sieht schon, in welche Richtung das führt. Erscheinen die ersten Übereinstimmungen noch frappierend und könnten auf einen Zusammenhang zwischen den beiden Serien hinweisen, sind Ähnlichkeiten zwischen Personen hingegen wenig aussagekräftig. Sowohl bei Falkengrund als auch beim Haus Anubis tauchen gewisse Menschentypen (man könnte beinahe sagen: Archetypen) auf. Hier kommt es zwangsläufig zu Überschneidungen. Natürlich haben Falkengrund und „Das Haus Anubis“ einen nervtötenden Spaßvogel zu bieten (Harald bzw. Felix), natürlich gibt es ein bildschönes exotisches Mädchen (Sanjay vs. Mara), natürlich steht der strengen, ältlichen Lehrerfigur (Sir Darren/Hubert Altrichter) ein junger, lockerer, sympathischer, lebensbejahender Lehrer gegenüber (Salvatore bzw. Luka), natürlich ist die Köchin (Ekaterini/Rosie) dicklich und eine gute Seele, der Hausmeister oder Verwalter Werner bzw. Victor ist in beiden Serien glatzköpfig (aber nicht im belgischen Original “Het Huis Anubis“!), usw.

Nüchtern betrachtet lässt sich folgendes sagen: Aufgrund der ähnlichen Grundidee, der zeitlichen Nähe und einiger Übereinstimmungen wäre es gut denkbar, dass der Erfinder von „Das Haus Anubis“ Falkengrund kannte und davon inspiriert wurde. Beweise, dass dies mit Sicherheit so gewesen sein muss, gibt es aber keine.

Freitag, 26. August 2011

Schlumpfimumpf! - Die Schlümpfe in 3D

Ab und zu geht man mit dem Nachwuchs ins Kintopp. Und was würde sich für eine Fünfjährige, die vom Papa seit mindestens zwei Jahren die alten Schlumpf-Alben sowie alte Fix und Foxi-Hefte vorgelesen bekommt, besser eignen als die aktuelle Verfilmung „Die Schlümpfe in 3D“?

Papa ging mit gemischten (oder sollte man sagen: geschlumpften) Gefühlen hin – einerseits mit der Angst vor der Beschädigung eines heiligen Kindheitsmythos, andererseits mit Neugier, wie Sony Pictures das Ganze umsetzen würde. Der Trailer im Netz ließ eher Schlimmes ahnen, aber die Tochter war schon angefixt – ein Rückzieher hätte nurmehr ihren gerechten Zorn geweckt!

Ich werde „Die Schlümpfe in 3D“ nicht verreißen. Es ist ein unterhaltsamer Familienfilm geworden, wenn auch kein Kunstwerk von bleibendem Wert. Er hat einige witzige Szenen und eine gehörige, gerade noch erträgliche Portion Hollywood-Pathos am Ende, damit auch die Tränendrüsen der Erwachsenen mal wieder durchgespült werden. Richtig klasse spielt Hank Azaria als Gargamel (wir ganz alte Knacker kennen ihn noch als Gurgelhals der in Fix und Foxi abgedruckten Episoden).

Was bei mir einen herb-bitteren Nachgeschmack hinterlassen hat, war die radikale Amerikanisierung und „Hipisierung“ von allem, was die Schlümpfe ausmacht. Sechs unserer blauen Freunde landen bei ihrem unfreiwilligen Ausflug in unsere Welt (natürlich durch ein Dimensionstor) ausgerechnet im New Yorker Central Park vor der berühmten Skyline mit Empire State Building und Co. Unterschwellig scheint mir der Film nahezulegen, dies sei der Nabel der Welt. Die gesamte Story basiert auf einer englischsprachigen Redewendung „once in a blue moon“ und wirkt mit ihrem „Blaumond“ somit in allen anderen Sprachen kaum schlüssig. Das junge Paar, bei dem die Schlümpfe unterkommen, lebt mitten im American Dream – während sie sich nervös-niedlich um ihren Babybauch kümmert, designt er ebenso nervös Werbekampagnen für Kosmetik-Artikel. Beise sind liebenswert-naiv, aber gleichzeitig fahrig und hektisch, was dazu beiträgt, der Geschichte das heute unvermeidliche Tempo und Chaos zu verleihen. Und viele der Schlümpfe tragen plötzlich englische Namen wie Clumsy, Jokey oder Harmony.

Bei mir wurden ständig Erinnerungen an „Stuart Little“ wach, einen ganz ähnlichen, aber viel besseren, weil schrägeren und selbstironischeren Film, der seinen Humor nicht nur aus Slapstick-Einlagen, sondern vor allem aus seiner skurrilen Menschlichkeit zog. Auch hier agierten Trickfilmfiguren im „realen“ New York rund um den Central Park.

Ich bin kein Purist und sehe ein, dass sich Stoffe weiterentwickeln müssen, wenn sie sich auf dem heutigen Markt platzieren wollen. Und doch hätte ich mir erhofft, dass die Schlümpfe sich etwas mehr von ihrem belgischen Charme bewahrt hätten, dass sie etwas von ihrer eher bedächtigen, langsamen, bäuerlichen Welt in unsere Wirklichkeit hätten herüberretten können. Schließlich gehören sie mit Asterix & Obelix und Tim & Struppi wohl zu den bekanntesten frankobelgischen Comicfiguren. Daher finde ich es schade, wenn die Schlümpfe in den Köpfen unserer Kinder jetzt neu definiert werden: als hektische, durchgeknallte Figuren vor New Yorker Kulisse. Von ihnen dominieren schon viel zu viele die amerikanischen Kinder- und Familienfilme.

Ich bin froh, dass ich die zerfledderten Comics meiner Kinderzeit aufbewahrt habe, sodass meine Kleine eine Chance hat, die Schlümpfe und andere Comic-Charaktere so kennenzulernen, wie sie gemeint waren.

Sonntag, 24. Juli 2011

Warum sind eBooks nicht billiger?

Im Zuge der Umstellung der Falkengrund-Serie von kostenlos auf kostenpflichtig erreichte mich vor kurzem eine Mail eines entrüsteten Lesers. Ich würde sie hier in Auszügen abdrucken, aber der Leser wünscht, dass sein Schreiben nicht veröffentlicht wird.

Er beklagt hauptsächlich die aus seiner Sicht hohen Preise von eBooks. Ein John Sinclair-Roman zum Beispiel, der am Kiosk € 1,60 kostet, dürfte seiner Meinung nach als eBook nicht € 1,49 kosten, da das eBook in seiner Herstellung wesentlich günstiger und außerdem „substanzlos“ sei. Pro Falkengrund-Episode würde er maximal 50 Cent bezahlen, schreibt er.

Lassen wir das „substanzlos“-Argument mal beiseite. Es ist selbst substanzlos, denn würde man sich daran halten, müssten nicht nur Computerprogramme spottbillig sein, sondern auch alle Arten von Dienstleistungen, bei denen man nichts Materielles in die Hand bekommt.

Reden wir über die Problematik der eBook-Preise. Mein Leser ist nicht der einzige, der ihre Höhe moniert. Auch im Netz finden sich vehemente Stellungnahmen zu diesem Thema, etwa in Leander Wattigs Blog. Ich gestehe, auch ich selbst finde manche eBooks überteuert. Die Tatsache, dass sich die eBook-Preise bei vielen Verlagen an den Preisen für nobel aufgemachte Hardcover-Ausgaben orientieren, ist nur schwer nachzuvollziehen.

Allerdings glaube ich, dass sich manche Leser Herstellung und Verkauf von eBooks zu günstig vorstellen. Ich möchte auf vier Punkte hinweisen, die man leicht übersehen kann.

1. Die Mehrwertsteuer. Der deutsche Gesetzgeber legt auf Druckerzeugnisse den ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent. Für das eBook allerdings, das nicht als Druckerzeugnis durchgeht, gilt die normale Mehrwertsteuer von 19 Prozent. Vom gedruckten Buch aus gesehen, muss der Verkäufer von eBooks also rund 170 Prozent mehr Mehrwertsteuer abführen – etwas, was sich im Preis notgedrungen niederschlägt.

2. Kosten für Bezahlsysteme. Viele Leser nutzen beim eBook-Kauf Bezahlsysteme wie Paypal. Vielen ist nicht bekannt, was Paypal den Händler pro Transaktion kostet. Es sind 35 Cent plus knapp 2 Prozent des Verkaufspreises. Bei eBooks im höheren Preisbereich ist das ein günstiges Angebot. Für ein eBook, das € 9,99 kostet, fallen für den Betreiber des eBook-Shops Paypal-Kosten in Höhe von kaum mehr als 50 Cent an. Bei einem 0,99-Euro-eBook dagegen zahlt er rund 37 Cent alleine an Paypal - mehr als ein Drittel des Verkaufspreises. Wenn man von dem Restbetrag noch die Steuer abzieht, bleiben für Autor und Shop-Betreiber nur noch Mini-Erträge übrig.

3. eBook-Verkaufszahlen. eBooks verkaufen sich im deutschsprachigen Raum nach wie vor nur in kleinen Mengen. Offizielle Zahlen gibt kein großer Verlag oder Shop heraus (auch, weil sie zu peinlich wären), aber wenn man selbst eBooks veröffentlicht und das Ranking der eigenen eBooks mit dem der anderen vergleicht, kann man ganz grob Rückschlüsse auf das Niveau der Verkäufe ziehen. Romanheftserien, die in der gedruckten Form fünfstellige Auflagenzahlen einfahren, dürften im eBook-Bereich den dreistelligen Rahmen kaum verlassen. Auflagen-Millionäre wie in den USA gibt es auf dem deutschsprachigen eBook-Markt bisher noch nicht. Auch die eBook-Verkäufe von Bestsellerautoren bleiben überschaubar. Das heißt: Es ist zwar nicht sehr viel Aufwand nötig, um aus einer digitalen Druckvorlage ein eBook zu erstellen, dieses in einen Shop aufzunehmen und zu verkaufen, aber durch die außerordentlich niedrigen Verkaufszahlen amortisieren sich selbst die geringen Kosten kaum.

4. Small Press. Der letzte Punkt betrifft Falkengrund und andere Erzeugnisse von Kleinverlagen oder unabhängigen Autoren. Produkte der „small press“ sind wegen ihrer insgesamt geringeren Verkäufe immer deutlich teurer gewesen als die der großen Verlage. Wenn ich etwa bei BoD (Books on Demand) einen Sammelband mit, sagen wir, zehn Falkengrund-Abenteuern in gedruckter Form veröffentlichen würde, müsste ich dafür mindestens 20 Euro verlangen, eher 30, wenn die Schriftgröße lesbar sein soll und ich nicht draufzahlen möchte. Was das pro Episode ergibt, brauche ich nicht vorzurechnen. Gerade das Medium eBook bietet unabhängigen Autoren eine Möglichkeit, ihre Werke zu einem moderaten Preis zu veröffentlichen. Im Printbereich ist es praktisch nicht möglich, Bücher in kleinen Auflagen kostengünstig anzubieten – kostenlos wie die ersten 17 Episoden von Falkengrund geht schon gar nicht. Außer man hat im Lotto gewonnen.

Mein Wunsch wäre, dass der eBook-Markt als Plattform für gute und ungewöhnliche Texte von unabhängigen Autoren und kleinen Verlagen mehr genutzt und von Leserseite mehr Zuspruch erfahren würde.

Donnerstag, 14. Juli 2011

Falkengrund ist "Bestseller"

Nun ja. "Bestseller" ist ein großes Wort. Ganz genau aus diesem Grund habe ich es auch in Anführungszeichen gesetzt.
Aber ein bisschen was ist schon dran: Bei beam-ebooks hat der erste kostenpflichtige Band zwar zu unterschiedlichen (und ziemlich extremen) Reaktionen seitens der Leser geführt - die einen halten die kostenpflichtige Erscheinungsweise für inakzeptabel, wollen die Serie aus Prinzip nicht weiterlesen und bestrafen die Geschichten, die sie gar nicht kennen, mit nur einem von fünf möglichen Sternen. Andere stehen hinter der Serie, sind bereit, für die Arbeit des Autors einen Obolus zu entrichten und vergeben lobend fünf Sterne.
Alles in allem stufe ich die Verkaufszahlen als erfreulich ein. Rund fünf Prozent der Gratis-Downloader scheinen der Serie weiterhin die Treue zu halten. Das sind genug, um Falkengrund Nr. 18 seit zwei Wochen auf dem ersten Platz der Beam-Bestseller-Liste zu halten, noch vor Perry Rhodan- und Star Trek-eBooks.
Das macht mir natürlich Spaß, auch wenn eBook-Verkäufe insgesamt noch in einer anderen Liga spielen als Verkäufe von gedruckten Büchern / Romanheften.

Freitag, 24. Juni 2011

Hängen oder vierteilen? – Falkengrund-Autor schockt die Leser

„Falkengrund war gratis.“ Wer findet in diesem Satz einen Fehler?

Hier! Müsste es nicht heißen: „Falkengrund ist gratis“?

Leider nicht mehr.

Ich habe die schwierige Entscheidung getroffen, dass Falkengrund nur von Nr. 1 bis 17 eine kostenlose Serie war. Ist. Die ersten siebzehn Episoden werden weiterhin kostenlos zu haben sein. Wer sie noch nicht heruntergeladen hat, kann dies in aller Ruhe die nächsten Jahre, vielleicht Jahrzehnte über tun. Ab der Nummer 18 wird die Serie etwas kosten – nicht sehr viel allerdings. Einen Euro pro Episode, um genau zu sein. Ich halte das für erschwinglich und nicht unverschämt. Abgesehen davon, dass es unverschämt genug ist, eine Gratis-Serie überhaupt kostenpflichtig zu machen.

Die Gründe für die Umstellung sind vielschichtig. Zum einen möchte ich Falkengrund sehr gerne in Amazons Kindle-Store platzieren – das darf ich aber nur, wenn die Serie etwas kostet. Ich darf die Bände auch nicht bei Amazon kostenpflichtig und auf anderen Plattformen gratis anbieten – das verbieten mir nachvollziehbarerweise die Teilnahmebedingungen von Amazon, und den Lesern gegenüber wäre es ohnehin nicht fair.

Zum anderen juckt es mich schon länger, endlich wieder mehr neue Episoden zu schreiben. Das ist zeitaufwändig, und die Zeit dazu kann ich mir definitiv nur nehmen, wenn eine Chance auf Einnahmen besteht. Ich habe, wie man so schön sagt, eine Familie zu versorgen.

Auch dem besonderen eBook-Shop beam-ebooks, dem ich es zu verdanken habe, dass Falkengrund so viele treue Leser gefunden hat, wünsche ich etwas Gewinn (bis dato wurden rund 100.000 Falkengrund-eBooks bei beam heruntergeladen).

Es bleibt mir nichts übrig, als meine Leser um Verständnis zu bitten. Ich hoffe, wer Falkengrund schätzt, wird bereit sein, einen Euro pro Episode zu investieren, ohne sich darüber zu ärgern. Ein großer Teil dieser Investition wird direkt mir und meiner Familie zugutekommen.

Was mir etwas Magendrücken bereitet, ist dass ich die Falkengrund-Serie in diesem Blog einmal als „komplett gratis“ bezeichnet habe. Das war im ersten Eintrag vom Oktober 2010. Natürlich sollte man das Wort „komplett“ nicht in den Mund nehmen, wenn man sich nicht „komplett“ sicher ist, dass es dabei bleibt. Damals war ich sicher. Falls mir jemand ernsthaft böse ist - ich bin jederzeit da, um mir die Beschwerden anzuhören. Insgesamt glaube ich den bisherigen Leserzuschriften aber entnehmen zu können, dass die allermeisten Leser bereit sind, einen Euro pro Story zu bezahlen, wenn das bedeutet, dass ich weiterhin viel Zeit und Mühe in die Serie stecken kann.

Aus Gründen, die mit Bezahlsystemen im Allgemeinen und mit Auszahlungsregeln bei Amazon im Besonderen zu tun haben, erscheinen die Falkengrund-Episoden in Zukunft nicht mehr einzeln, sondern in Dreier-Packs. Am Ersten jeden Monats soll ein eBook mit drei Falkengrund-Episoden erscheinen, das bei beam-ebooks oder im Amazon Kindle-Store für € 2,99 zu haben ist. Falkengrund-Fans bekommen also ab sofort keine zwei, sondern drei Episoden pro Monat. Das ist die erste gute Nachricht.

Die zweite dürfte sein, dass ich Falkengrund auf mindestens achtzig Episoden geplant habe. Neunundfünfzig davon sind bereits geschrieben, sechs weitere werden in die laufende Serie eingewebt, die restlichen fünfzehn bilden das große Finale. Falls der Leserkreis groß genug wird, ist eine Fortsetzung der Serie über die Nr. 80 hinaus natürlich kein Ding der Unmöglichkeit …

Sonntag, 19. Dezember 2010

Giveaway-Grusel – wieso ist Falkengrund eigentlich kostenlos?

Manche meiner Leser sind einfach nur glücklich, Falkengrund gratis lesen zu können. Andere reagieren überrascht und versichern mir, dass sie gerne auch etwas dafür bezahlen würden. Einige zeigen sich sogar ein wenig empört darüber, dass ich die Geschichten umsonst verschleudere.

Über alle diese Reaktionen freue ich mich.

Natürlich veröffentliche ich Falkengrund nicht deshalb kostenlos, um jeden Tag eine gute Tat zu vollbringen. Auch schwimme ich nicht im Geld oder leide unter Langeweile. Hinter der Gratis-Kampagne steht ein Konzept mit klaren, teilweise egoistischen Zielen. Deshalb soll auch niemand ein schlechtes Gewissen haben, der Falkengrund kostenlos liest.

Mit der, äh, günstigen Bepreisung der Serie verfolge ich drei Ziele:

1. Ich möchte gelesen werden.

Autoren reden im Allgemeinen nicht gerne darüber, damit sie nicht für eitel gehalten werden, aber ich schätze, 98,3 Prozent aller Schriftsteller haben Spaß an dem Gedanken, dass da draußen gerade jemand eine ihrer Geschichten liest. Im Moment des Schreibens schreibe ich für mich, aber wenn die Story fertig ist, möchte ich jemanden damit gruseln, faszinieren, unterhalten. Je mehr Leser Falkengrund verfallen, desto glücklicher bin ich – so einfach ist das.

2. Ich versuche, eine gewisse Popularität zu erlangen, um zu einem späteren Zeitpunkt etwas besser von der Schriftstellerei leben zu können, als mir das im Augenblick möglich ist.

Die Romanschreiberei ist ein schwieriges Geschäft. Die meisten Schriftsteller kennen das: Man arbeitet über Monate, Jahre hinweg an einem Buch, schafft es vielleicht sogar, es in einem mittleren oder großen Verlag zu veröffentlichen, wird interviewt und besprochen, zu Lesungen eingeladen, erhält von Kritikern und Lesern gute bis begeisterte Kritiken, glaubt sich am Ziel und müsste eigentlich glücklich sein. Trotz allem verkauft man aber nur so wenige Exemplare, dass man davon unmöglich existieren kann. Ich habe es selbst erlebt: Fünf Monate Arbeit, Veröffentlichung bei einem großen Verlag, überschwängliche Leserbriefe und Rezensionen, weniger als tausend Verkäufe. Das sind nicht einmal 200 Euro Einkommen pro Monat – wie soll das funktionieren?

Es gibt tausende guter Belletristik-Autoren im deutschsprachigen Raum, die durchaus veröffentlicht und gelesen werden, aber die allermeisten publizierten Romane verkaufen sich nur einige hundert oder einige tausend Mal, und ein Autor erhält selten mehr als einen Euro Honorar pro verkauftem Buch, oft weniger. Dadurch entsteht ein Paradoxon: Während es hierzulande tausende Verleger, Redakteure, Lektoren, Agenten, Drucker, Bibliothekare und Buchhändler gibt, die von ihrer Arbeit leben können, gelingt das den meisten Autoren niemals.

Seien wir ehrlich: Leser lesen zunächst einmal Bücher von Autoren, die sie kennen. Selbst wenn man ein, zwei Mal enttäuscht worden ist, hält man sich lieber an die gewohnten Namen. Neue Autoren ärgern sich naturgemäß darüber, aber so läuft es eben. Ich habe jedes Verständnis für dieses Leseverhalten – mir selbst geht es nicht anders. Um gekauft zu werden, muss man also vor allem bekannt sein. Falkengrund soll alle Leser von fantastischer, unheimlicher oder spannender Literatur da draußen dazu verführen, es mal mit dem Schriftsteller Martin Clauß zu versuchen. Und irgendwann … zack! … schnappt die Falle zu, und du kannst nicht mehr raus und wirst dein Leben lang Bücher kaufen, auf denen mein Name draufsteht.

Harharhar! Harhar ….

3. Wie ich schon im allerersten Post schrieb, vertrete ich die Meinung, im eBook-Format sollten nicht nur Texte erscheinen, die bereits in gedruckter Form verfügbar sind. Das würde bedeuten, die Möglichkeiten des neuen eBooks aufs Technische zu beschränken. Was das eBook wirklich interessant macht, ist sicher nicht, dass man plötzlich auf einem Bildschirm lesen kann. Ich sehe im eBook auch ein Werkzeug für Indie-Texte. In den USA gibt es bereits ein großes Angebot von reinen eBook-Autoren. Viele davon veröffentlichen ohne Verlag. Zunächst werden Nischen bedient, Experimente gemacht. Einige dieser Nischen und Experimente wachsen und wachsen, bis sie Zehntausende oder Hunderttausende von Lesern finden. Und plötzlich ist nichts mehr zwischen Leser und Autor, keine Verlage, deren Vorstellungen sich die Autoren unterwerfen müssen, keine Buchhändler, von deren Bereitschaft und Meinung der Erfolg eines Buches abhängt. Es kommt zusammen, was schon lange zusammen gehört: Lesen und Schreiben.

Falkengrund ist nicht nur eine Gruselserie. Es ist auch ein kleiner Anstoß, um im deutschsprachigen Raum eine neue Art des Lesens und Schreibens zu etablieren.

Montag, 13. Dezember 2010

Hier ist sie - die erste neue Story!

Informierte Leser wissen, dass die Falkengrund-Serie in den Jahren 2005 und 2006 schon einmal erschien. Vor dem Neustart beschloss ich, nicht nur die Episoden von damals wieder zu veröffentlichen und die Serie danach fertigzuschreiben - ich wollte auch schon vorher immer wieder neue Episoden einfügen.

Ich wusste einfach, Falkengrund würde mir wieder so viel Spaß bereiten, dass ich keine zwei Jahre warten konnte, um neue Texte dafür schreiben zu dürfen. Außerdem fallen mir viele Abenteuer ein, die viel besser in die Anfangszeit als in den späteren Handlungsverlauf passen. Und: Die Leser von damals sollen auch ihren Spaß haben und möglichst früh Episoden bekommen, die sie noch nicht kennen.

Anfangs plante ich die erste neue Story für die Nr. 9 oder 10 ein. Wahrlich genügend Zeit, um sich in aller Gemütlichkeit wieder in der Serie zurechtzukuscheln.

Dann ritt mich der Teufel.

Da trieb sich doch auf meiner Festplatte ein Storyfragment mit dem Titel "Vor dem Hahnenschrei" herum, das geradezu danach krähte, zu einer Falkengrund-Episode umgearbeitet zu werden. Die Idee zu der Geschichte war mir Anfang 2009 gekommen, als ich meiner Tochter eine Gute-Nacht-Geschichte vorlas, in der ein krankheitsbedingt heiserer Hahn nicht krähen konnte und daher die anderen Tiere auf dem Bauernhof bat, mit ihren Stimmen den Bauern zu wecken, was kläglich misslang. Zunächst hatte ich die Idee mit dem Arbeitstitel "Der schwarze Phönix" notiert, in der Hoffnung, dass mir beim Schreiben noch etwas Knackigeres einfallen würde. Im Januar 2010 begann ich die Story zu schreiben, wie gesagt, damals noch ohne den Bezug zu Falkengrund.

Ich hatte bei der Städtischen Wirtschaftshilfe (schätze, ich bin nicht der erste Schriftsteller, der dort bisweilen einkauft), einen alten Schmöker von Stephen King erworben, den ich noch nicht gelesen hatte: "Cujo" - die Geschichte vom tollwütigen Bernhardiner, gebundene Version, ordentlich erhalten, 1 Euro, absolut unwiderstehlich. Wer den Roman gelesen hat, wird mir zustimmen - er gehört nicht zu Kings Meisterwerken, aber er hat im Ansatz alles, was seine Schreibtechnik ausmacht, und er versteht es, den Leser zu fesseln. Ganz im Eindruck von "Cujo" begann ich "Vor dem Hahnenschrei".

Als ich im Oktober Falkengrund neu startete, bekam ich Lust, so schnell wie irgend möglich etwas Neues dazu zu schreiben. Ich ahnte, dass es zeitlich knapp werden würde, aber ich ging es an. Und kündigte die Story an, ohne mehr als ein Drittel davon geschrieben zu haben. Dann kamen tausend Dinge dazwischen, und schließlich saß ich die drei Tage vor dem Erreichen des Erscheinungstermins bis spät abends am PC und tippte.

Ehrlich gesagt: Ich hatte vergessen, wie viel Arbeit so eine dumme, kleine Falkengrund-Episode eigentlich macht. 75.000 Anschläge oder 12.000 Wörter, ein Klacks für einen Schnellschreiber. Aber ich war nie ein Schnellschreiber. Nicht, dass ich Vorbehalte dagegen hätte, einer zu sein. Ich bin nur einfach zu langsam. Und ich recherchiere zu viele Belanglosigkeiten.

Am Samstag (der Erscheinungstermin war gekommen, und ich hatte noch rund 15.000 Anschläge vor mir, plus Lektorat, plus eBook-Erstellung) erwischte mich eine Magen-Darm-Grippe, und nach einem längeren Aufenthalt auf einem üblicherweise stilleren Örtchen gab ich mir den Rest des Tages frei.

Heute ist die Story mit zwei Tagen Verspätung erschienen. Sie ist so merkwürdig, wie es sich für eine echte Falkengrund-Episode gehört. Zwar passt sie nicht ganz in den Zeitverlauf - ach, zum Henker mit der Kontinuität! Die Geschichte hat sich eben irgendwann vor der Nr. 2 ereignet. Ein Rückblick. Vergangenheitsabenteuer. Soll's doch geben.

Erzählerisch ist "Vor dem Hahnenschrei" in voller Absicht an den King of Horror angelehnt, auch wenn die Story sicher nur a far cry von dessen Werken ist. Wortspiel verstanden? Hahnenschrei - a far cry (= himmelweiter Unterschied)? Witzig, was?

Übrigens stelle ich fest, dass es Spaß macht, Making Ofs zu den Episoden zu schreiben. Also werde ich das fortan öfter tun.

Seid gewarnt.